Museum Gensungen

Keilmesser

Nach rund 50.000 Jahren immer noch scharf – eines der ältesten Messer aus dem Altkreis Melsungen.

Dabei handelt es sich um ein Keilmesser, das aus Kieselschiefer geschlagen und sorgfältig retuschiert wurde, sodass eine scharfe, gezahnte Schneidefläche entstand. Die stumpfen Schmalseiten lagen in der Hand.
Das Keilmesser wurde in Rhünda gefunden und datiert in einen jüngeren Abschnitt des Mittelpaläolithikums – wir schätzen das Alter auf rund 50.000 Jahre vor heute.
Damit steht fest, dass das Werkzeug einem Neandertaler gehört hat, denn der moderne Mensch – nämlich wir – sind erst vor rund 35.000 Jahren aus Afrika nach Europa eingewandert. Zu dieser Zeit hatten die Neandertaler Hessen schon seit einer unglaublich langen Zeit von rund 200.000 Jahren bewohnt.
An mehreren Orten rund um Gensungen ließen sie sich nieder, um Jagdlager zu errichten und Steinwerkzeuge herzustellen. Wie die Verteilung der Fundplätze zeigt, bevorzugten sie offenbar die Gegend um Rhünda, vielleicht, weil das begehrte Rohmaterial für ihre Werkzeuge – schwarzer Kieselschiefer – hier an der Mündung von Schwalm und Eder zu finden war.

Kumpf

7500 Jahre vor heute bauten die Menschen in unserer Region erstmals ortsfeste Häuser, betrieben Ackerbau und Viehzucht und produzierten Gefäße aus Keramik – dieser Zeitpunkt markiert den Beginn der Jungsteinzeit (Neolithikum).
Den größten Teil der Menschheitsgeschichte lebten wir als Jäger und Sammler. Die neue Lebensweise kam aus dem Osten und verbreitete sich relativ schnell über ganz Europa – mit allen Vor- und Nachteilen, die unsere Kultur bis heute prägen. Denn ab dem Neolithikum beginnt der Mensch zunehmend seine Umwelt zu verändern.
Die erste neolithische Kultur, die ihre Siedlungen auch im Altkreis Melsungen errichtete, ist die Linearbandkeramik – oder nur Bandkeramik genannt – wegen der typischen, ritzlinienverzierten Keramik, die bis heute erhalten geblieben ist.
Hier seht ihr ein kleines bandkeramisches Gefäß, das glücklicherweise aus nur wenigen Scherben rekonstruiert werden konnte. Aufgrund des Aussehens – dem runden Boden und den leicht nach innen laufenden Rändern – bezeichnet man dieses Gefäß als Kumpf. Neben den charakteristischen Winkelbändern hat man auch kleine Dreiecke mit einem speziellen Gerät in den Ton eingedrückt. Somit hat uns ein Felsberger/ eine Felsbergerin dieses mindestens 7000 Jahre alte Muster überliefert.

Dechsel

Von den Siedlungen der Vorgeschichte zeugen heute meistens nur noch Erdverfärbungen, die z.B. als Pfostengruben der Häuser bei Ausgrabungen dokumentiert werden können. Die Baumaterialien – Holz und Lehm – sind meistens lange vergangen und können nicht mehr gefunden werden.
Was bleibt, sind aber die steinernen Werkzeuge, die zur Holzbearbeitung verwendet wurden. So auch diese bandkeramische Dechselklinge aus Beuern:
Steinerne Dechselklingen wurden an einem hölzernen Schaft befestigt. Mit dem Dechsel wurden z.B. Bäume gefällt und Bauhölzer in Form geschlagen. Die abgenutzte Spitze und die zerkratze Oberfläche zeigen, dass dieser Dechsel wahrscheinlich länger in Verwendung war.

Durchlochte Äxte

Am Ende der Bandkeramik vor ca. 7000 Jahren belegen Funde im Altkreis Melsungen die Rössener Kultur. Während die materielle Kultur der Bandkeramik – d.h. die menschlichen Hinterlassenschaften, die wir heute finden – zunächst über fast ganz Europa recht einheitlich war, treten nun in Deutschland regionale Gruppen auf, die sich hauptsächlich durch Verzierungsmuster auf der Keramik unterscheiden.
Die Rössener Kultur entwickelte sich wohl in Südwestdeutschland und ist benannt nach ihrem ersten Fundort, Rössen in Sachsen-Anhalt. Hier wurden bereits 1880 mehrere Bestattungen entdeckt und ausgegraben.
Neben der verzierten Keramik können wir die Rössener Kultur durch typische Steingeräte identifizieren, es sind durchlochte Äxte, die es zuvor nicht gegeben hat.
Mit einer speziellen Bohrtechnik wurden die Axtklingen mit einem Loch versehen, das zur Schäftung diente. Wahrscheinlich dienten sie hauptsächlich zum Holzspalten.
Leider ist die Herkunft von vielen dieser durchlochten Äxte unbekannt. Auch von diesem Exemplar aus Heßlar kennen wir den genauen Fundort nicht.
Noch bis ins 19. Jh. galten Steinäxte vielerorts als Talismane, die bei Gewittern als „Donnerkeile“ auf die Erde niedergingen und gleichzeitig das Haus vor Blitzeinschlägen schützten. Vielleicht war dies auch das Schicksal der Heßlarer Steinaxt.

Der älteste Kultplatz Felsbergs

Vor rund 6000 Jahren hat die Michelsberger Kultur die Rössener Kultur in unserem Untersuchungsgebiet abgelöst. Auch die Michelsberger Kultur gehört noch in die Jungsteinzeit und hat ihren Namen durch den Fundort „Michelsberg“ bei Untergrombach (Baden- Würtemberg) erhalten. Hier fanden bereits im 19. Jahrhundert Ausgrabungen statt, die Funde dieser Kultur ans Licht brachten.
Der bisher spektakulärste Fundplatz der Michelsberger Kultur im Altkreis Melsungen liegt in Wolfershausen zwischen dem Lotterberg und der Eder. Hier wurden 1986 bei Bauarbeiten Keramikscherben und Knochen entdeckt. Im Zuge der folgenden Ausgrabungen wurde festgestellt, dass es sich hier um einen verfüllten Graben aus der Zeit der Michelsberger Kultur handelt. In diesem Graben wurden überwiegend Knochen von Rindern, aber auch Schwein, Schaf/Ziege, Reh und einige menschliche Knochen gefunden. Zwei ganze Gefäße konnten aus den Keramikscherben rekonstruiert werden: ein großes Gefäß mit Ösen und ein sogenannter Tulpenbecher, der typisch für die Michelsberger Kultur ist.
Die Ausgrabungen haben belegt, dass die Wolfershäuser vor ca. 6000 Jahren ein sog. Grabenwerk oder Erdwerk errichtet haben – einen Platz, der von einem Graben und vermutlich auch Palisaden abgegrenzt wurde. Die Gefäße, menschliche und tierische Überreste wurden hier vermutlich absichtlich deponiert – offenbar im Zuge von rituellen/ kultischen Handlungen. Auch in Calden (Kassel) und Uttershausen (Wabern) wurden jungsteinzeitliche Erdwerke entdeckt. Sie sind vermutlich die ältesten Reste von Heiligtümern oder Kultplätzen in unserer Region. An was die Menschen damals glaubten und welche Rituale sie durchführten können wir nicht rekonstruieren. Vielleicht spielten Rinder aber dabei eine wichtige Rolle – immerhin waren sie für die jungsteinzeitliche Landwirtschaft und somit für das tägliche Leben unverzichtbar.

Am Ende der Steinzeit

Vor rund 4000 Jahren endete die Steinzeit in unserem Untersuchungsgebiet und wurde von der Bronzezeit abgelöst. Die letzten Kulturen der Jungsteinzeit sind in Hessen nur sehr spärlich nachgewiesen – die Funde stammen meist aus zerstörten Gräbern, denn Siedlungsspuren wurden in unserer Region noch nicht entdeckt.
Seltene Zeugnisse der sogenannten Schnurkeramischen Kultur und der Glockenbecherkultur stammen aus Altenbrunslar und wurden bei einer der ersten Ausgrabungen im Altkreis Melsungen entdeckt.
Johannes Boehlau hatte bereits im antiken Pergamon und auf Samos gegraben, wurde 1902 zum Direktor des Museums Fridericianum in Kassel ernannt und legte unter anderem auch das Steinkammergrab in Züschen frei. 1905 fand er in einem Grabhügel bei Altenbrunslar die Reste einer Bestattung.
Vom Aufbau des Grabes ist heute nichts mehr bekannt – fest steht jedoch, dass hier einer/eine der letzten Jungsteinzeitler begraben wurde. Man hatte ihm/ihr mindestens einen Becher aus Keramik und eine Spitze aus Feuerstein mit ins Grab gelegt. Nach dem Verfüllen der Grabgrube hatten die Hinterbliebenen einen Hügel von ca. 14m Durchmesser über der Grablege aufgeschüttet, wie es vor 4000 Jahren Sitte war.
Der Name Schnurkeramik leitet sich von den typischen Verzierungen der Keramik ab, die sich durch das Eindrücken einer gewickelten Schnur in den noch feuchten Ton ergeben.

Der Kult der großen Steine

Noch in der Jungsteinzeit, vor etwa 5000 Jahren, war in Nordhessen die sogenannte Wartbergkultur verbreitet, benannt nach dem Wartberg bei Niedenstein. Besonders durch Formen und Verzierungen der Keramik lassen sich in jener Zeit viele regionale Kulturgruppen innerhalb Deutschlands und Europas abgrenzen. Eines ist ihnen jedoch gemeinsam – von Spanien, über Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Dänemark bis Südschweden werden erstmals monumentale Anlagen aus Stein errichtet - das Steinkammergrab in Züschen ist das wohl berühmteste Zeugnis dieser Kultur in unserer Region.
Diese sorgfältig retuschierte Pfeilspitze aus Kieselschiefer ordnen wir der Wartbergkultur zu. Sie wurde bei einer Feldbegehung in Melgershausen gefunden. Der Fund zeigt, dass neben der Landwirtschaft auch die Jagd mit Pfeil und Bogen noch eine Rolle spielte.

Mit Reichtum ins Jenseits

In unserer Region hat sich die Metallurgie vor ca. 3600 Jahren etabliert – sodass Gegenstände aus Bronze nun zum Alltag gehörten. Schmuck, Waffen und Werkzeuge konnten fortan im Gussverfahren hergestellt werden, solange man über die benötigten Rohstoffe – Kupfer und Zinn – verfügte. Somit förderte die neue Technologie den Handel, aber auch die Machtpositionen derer, die ihn kontrollierten. Mit der Bronzezeit kam es somit zu einer ersten massiven Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich.
Die Hinterlassenschaften der Menschen der mittleren Bronzezeit (1600 - 1300 vor Chr.) können wir der Hügelgräberkultur zuordnen. Damals war es Sitte die Verstorbenen unter Grabhügeln zu bestatten. Den Toten gab man Schmuck, Waffen und Werkzeug mit ins Grab, wobei man Frauen häufig mit reicherer Schmucktracht, Männer mit Axt oder Dolch ausstattete.
Die Radnadel aus Ellenberg ist ein typischer Frauenschmuck der mittleren Bronzezeit. Sie wurde vor und 150 Jahren entdeckt, als man beim Pflügen eines Ackers immer wieder Scherben, Asche und Knochen ans Tageslicht beförderte. Im Jahr 1873 nahm sich Eduard Pinder, damals Direktor des Museums Fridericianums in Kassel, der Sache an. Er bemerkte dass es sich bei der Fundstelle um zerstörte Grabhügel handelte und sicherte die Radnadel zusammen mit weiteren Funden.
Radnadeln trug man in der Bronzezeit als Gewandnadeln, um die Kleidung zu verschließen oder als Haarnadeln – das verrät meist die Lage der Beigaben im Grab.
Wir müssen davon ausgehen, dass die meisten Grabhügel im Altkreis Melsungen, wie auch anderswo, dem Pflug zum Opfer gefallen sind. Daher liegt es im öffentlichen Interesse die wenigen erhaltenen Grabhügel als Bodendenkmäler zu schützen.

Totenkult

Um 1200 v. Chr. taucht in Mitteleuropa ein neuer Bestattugsritus auf – man verbrennt die Toten auf Scheiterhaufen, sammelt die verbliebenen Knochen ein, legt sie in Urnen und bestattet sie in Flachgräbern – daher ordnet man die archäologischen Funde der späten Bronzezeit (1200 - 800 v. Chr.) der sogenannten Urnenfelderkultur zu. Vermutlich sind es neue Glaubensvorstellungen, die nun die Brandbestattung in Mode kommen lassen.
Im Altkreis Melsungen gibt es zahlreiche kleine Friedhöfe, die wir der Urnenfelderkultur zuordnen können. Ein solcher kam z.B. in Gensungen beim Bau der MIDAL - Gastrasse zutage oder in Beuern, als 1956 beim Pflügen ein Urnengrab entdeckt wurde.
Bei dem Grab aus Beuern war der Leichenbrand in einer großen Urne enthalten, die mit einer Sandsteinplatte abgedeckt war. Noch heute kann man anhand der entstandenen Verfärbung die Lage der Platte über der Urne deutlich erkennen. Der Rand der Urne wurde durch den Pflug gekappt – vollständig erhalten geblieben sind jedoch die beiden Beigefäße: Ein kleines Schälchen konnte aus der Urne geborgen werden, eine größere verzierte Schale mit kegelhalsförmigen Rand (typisch für die Urnenfelderkultur) stand neben der Urne und war ebenfalls mit einem Sandstein abgedeckt. Wir dürfen vermuten, dass hierin Speisebeigaben für den Toten/ die Tote mitgegeben wurden.
Rätselhaft ist ein kleines Loch, das wohl absichtlich – vielleicht im Zuge der Bestattugszeremonie – knapp über dem Boden der Urne eingeschlagen wurde. Allein durch menschliche Hinterlassenschaften lassen sich über die Bestattungsriten der Bronzezeit nur wenig Aussagen machen. Interessant ist jedoch wie aufwändig Beerdigungen zur selben Zeit in Griechenland sein konnten.
Homers Ilias gibt hier einen Einblick: [ https://www.gottwein.de/Grie/hom/il23de.php](https://www.gottwein.de/Grie/hom/il23de.php)

Kulturlandschaft

Ab 800 v. Chr. beginnt in Mitteleuropa die Eisenzeit. Eisen kommt in der Natur viel häufiger vor als die Metalle Kupfer und Zinn, die für die Herstellung von Bronze benötigt werden. In den Mittelgebirgen und in Norddeutschland findet sich Eisen in Form von leicht abbaubaren Raseneisenerzen. Diese wurden zerkleinert, geröstet und mit sogenannten Rennfeueröfen verhüttet. Die Rohstoffausbeute bei diesem Verfahren war recht gering – für die Befeuerung der Öfen wurde jedoch Holz und Holzkohle in beträchtlichen Mengen benötigt. Wir können also davon ausgehen, dass auch im Altkreis Melsungen der Wald ab der Eisenzeit durch Rodungen in zunehmenden Maße in Kulturlandschaft umgewandelt wurde.
Die heute oft bewaldeten Basaltkuppen in Nordhessen wurden in der Eisenzeit besiedelt – viele Berge waren also kahl und wurden sogar zu Befestigungsanlagen ausgebaut, indem man die Kuppen mit Ringwällen umgab. Zusätzlich wurden auch die alten Siedlungsgebiete der Jungsteinzeit und der Bronzezeit weiter oder erneut aufgesucht – aus keiner anderen vorgeschichtlichen Epoche ist in unserem Untersuchungsgebiet so viel Fundmaterial überliefert, wie aus der frühen Eisenzeit.
Die Verwendung von Eisen ermöglichte eine Intensivierung des Ackerbaus, denn eiserne Pflugscharen, angebracht an sogenannten Hakenpflügen, machten die Bearbeitung des Bodens einfacher. Eine solche eisenzeitliche Pflugschar wurde in Gensungen gefunden. Wie eng der Ackerbau mit der Kulturlandschaft verknüpft ist, zeigt die Herkunft des Wortes Kultur aus dem lateinischen Wort cultura (Bearbeitung, Anbau; Landwirtschaft).
Die Umwandlung von Natur- zur Kulturlandschaft begann also bereits in der Jungsteinzeit, wurde in der Eisenzeit intensiviert und erreichte mancherorts im Mittelalter den Höhepunkt – viele Ortschaften die auf -rode enden entstanden durch die mittelalterlichen Waldrodungen.

Zeitenwende

Kurz vor dem Jahr 0 tritt Nordhessen erstmals ins Licht der Geschichte - denn es sind die Römer, die die Topographie, Menschen und Kriegsereignisse zu dieser Zeit schilderten. Deshalb können die archäologischen Funde der folgenden Jahrhunderte erstmals mit historischen Quellen in Verbindung gebracht werden. Bis zur Mitte des 3. Jahrhunderts – als mit der Zerstörung des Limes der römische Einfluss verloren geht – bezeichnet man die Epoche als Römischen Kaiserzeit und die Menschen nördlich des Limes – gemäß der römischen Geschichtsschreibung – als Germanen.
Durch die Römer wissen wir auch, dass die Germanen in Stämmen organisiert waren und dass in Nord- und Mittelhessen zunächst der Stamm der Sueben seine Spuren hinterlassen hat. Das nordhessische Gebiet – nördlich der Eder – lässt sich ab dem 1. Jahrhundert jedoch direkt mit dem Stammesgebiet der Chatten in Verbindung bringen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei der römische Historiker Tacitus, der davon berichtet, wie der römische Feldherr Germanicus 15 n. Chr. mit seinen Legionen die Eder überschreitet und Mattium, den Hauptort der Chatten niederbrannte.

Seitdem gibt es viele Theorien zur Lokalisierung von Mattium und darüber wie wir uns den Hauptort der Chatten vorstellen können. Trotz der recht guten historischen Überlieferung gibt es recht wenige archäologische Hinterlassenschaften der Chatten. Die Fundplätze im Altkreis Melsungen konzentrieren sich währen der Römischen Kaiserzeit an der Eder und liegen meist in leichter Hanglage oberhalb der Flussaue. Weitaus dichter erscheint jedoch die Fundplatzverteilung um Gudensberg und Fritzlar. Leider gibt es bisher keine archäologische Ausgrabung in unserem Betrachtungsgebiet, die eine chattische Siedlung sicher nachgewiesen hat – lediglich in Gudensberg - Maden wurden zwei Grubenhäuser ausgegraben. Auch über die Friedhöfe wissen wir nur wenig.
Die Brandbestattung war bei den Chatten üblich. Nach dem Verbrennen der Toten wurde der Leichenbrand entweder in einer Urne oder in einer Grabgrube beigesetzt. Ein gut dokumentiertet Bestattungsplatz aus der Römischen Kaiserzeit befindet sich in Rhünda. Hier wurde an einer kleinen Erhebung über der Eder vom Ende des 2. bis zum Beginn des 3. Jahrhunderts bestattet. Die Urnen wurden meist mit Steinsetzungen gesichert und abgedeckt. Leider hatte der Pflug schon die meisten Bestattungen bis zu ihrer Freilegung zerstört. Der Fundplatz wurde durch Feldbegehungen entdeckt und konnte vom Vorgeschichtlichen Seminar der Universität Marburg ausgegraben werden.
Auffällig viele Keramikscherben aus der Römischen Kaiserzeit sind auch aus Gensungen überliefert. Auf der Flur „St Albansgärten“ kamen durch Bauarbeiten im Jahr 1961 Funde aus verschiedenen Epochen zutage. Darunter auch die unten abgebildeten verzierten Scherben germanischer – chattischer – Gefäße sowie ein Fragment einer Terra-Sigillata Schale, die als typisch römischer Import gilt. Wahrscheinlich sind diese Funde einer Siedlung zuzuschreiben – sicher wird man dies jedoch nie belegen können, denn durch Überbauung dürfte der Großteil der Befunde zerstört sein.
 

Die letzten Heiden im Altkreis Melsungen

Gegen Ende der Römischen Kaiserzeit - ab dem 4. Jahrhundert verlieren sich die archäologischen Hinweise der Besiedlung unserer Region weitestgehend – auch im Altkreis Melsungen existieren fast keine Funde aus dieser Zeit. Die entsprechende Epoche wird Völkerwanderungszeit genannt und ist gekennzeichnet durch Migrationsbewegungen, die ganz Europa betreffen. Das Römische Reich zerfällt – gleichzeitig und in Folge dieser politischen Umwälzungen verlassen die Germanen ihre Stammesgebiete und „wandern“ nach Süden. In der neueren Forschung wird betont, dass diese Prozesse langen und komplexen Transformationsmechanismen unterliegen.
Es ist wieder einmal der Aufmerksamkeit interessierter Felsberger Bürger zu verdanken, dass wir einen seltenen Fund aus der Völkerwanderungszeit vorweisen können. 1954 fanden Erdarbeiten in der Gensunger Flur „Opferecke“ – an der Kreuzung Langenwaldstraße und Heiligenbergstraße statt. Hier fand ein Arbeiter eine noch völlig unversehrte Schale aus Ton, wollte sie mit der Hacke reinigen, wobei sie zerbrach und ließ sie hier wohl achtlos liegen. Ein Schüler entdeckte bald darauf auf der Baustelle die großen schwarzen Scherben und übergab sie dem Lehrer Kuschke. Dieser wiederum erkannte, dass es sich bei dem Fund um ein vorgeschichtliches Artefakt handelte, ordnete es richtig ein und informierte ein Jahr später das Landesamt für Denkmalpflege. So wurde der Fund für die Wissenschaft zugänglich und konnte publiziert werden.
Heute wissen wir, dass die Schale aus dem 4. bis 5. Jahrhundert stammt. Sie wurde auf der Töpferscheibe gedreht und gehört einer besonderen Warenart an, die für die Völkerwanderungszeit typisch ist und aus dem römischen Gebiet stammte – die Terra Nigra Ware. Typisch dafür ist eine Engobe, die sich beim Brand im Töpferofen schwarz glänzend färbt. Man vermutet, dass es sich bei der Terra Nigra Schale aus Gensungen um eine ehemalige Grabbeigabe handelte. Sie wurde also einem Menschen aus der Völkerwanderungszeit mit ins Grab gegeben – eine der letzten heidnischen Bestattungen, die in unserem Raum bekannt sind. Vielleicht wurden an dieser Stelle die Menschen bestattet, die am schon erwähnten Fundplatz St. Alban ihre Spuren hinterlassen haben – vermutlich waren es immer noch die Chatten.
Nur wenige Generationen später verschwindet die Sitte der Grabbeigaben, denn das Christentum verbreitet sich in Europa. Offenbar hielten die Chatten auch während der Zeit der Christianisierung lange an heidnischen Traditionen fest – daher setzte der Missionar Bonifatius im Jahr 723 mit dem Fällen der Donareiche ein Zeichen für den Glaubenswechsel. Und wahrscheinlich wählte man den Ort St. Alban nicht zufällig aus, um hier im Mittelalter eine Kirche zu errichten.
Die Terra Nigra Schale aus Gensungen befindet sich im Landesmuseum in Kassel – wir besitzen aber eine gute Replik.

Frühgeschichte

Ab dem Mittelalter können Geschichts- und Kulturwissenschaften häufiger auf schriftliche Quellen zurückgreifen um das damalige Leben der Menschen zu erforschen - hier endet die Vorgeschichte und die Frühgeschichte beginnt. Trotzdem sind erhaltene Schriftstücke rar, sodass wir weiterhin auf archäologische Funde angewiesen sind.
Ein schönes Fundstück aus der Frühgeschichte im Altkreis Melsungen stammt aus Lohre und wurde 1963 bei Erdarbeiten gefunden. Der „Lohrer Topf“ stammt aus dem 9./10. Jahrhundert und ist nahezu vollständig erhalten. Typisch für die Epoche besitzt das Gefäß weder eine flache, noch runde Standfläche, sodern einen sog. Wackel- oder Linsenboden.

Hessens Krone

[Pfad 1](https://museum-gensungen.de/archaeologischer-pfad-1-2/)

Zum Eiszeitjäger von Rhünda

[Pfad 2](https://museum-gensungen.de/archaeologischer-pfad-1/)

Zur Höhensiedlung auf dem Rhündaer Berg

[Pfad 3](https://museum-gensungen.de/archaeologischer-pfad-3/)

8000 Jahre Landwirtschaft

Pfad 4

8000 Jahre Landwirtschaft

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Archiv und Volkskundesammlung

Im Museum werden auch Akten und Schriftstücke der letzten 350 Jahre aus der ehemaligen Gemeinde Gensungen aber auch aus anderen Stadtteilen sowie regionale Zeitungen erfasst und fachgerecht aufbewahrt. Ebenso beherbergt unser Archiv eine Volkskundesammlung mit der niederhessischen Spitzbetzeltracht, umfangreiche Sammlungen häuslicher, bäuerlicher und handwerklicher Geräte, Textilien, eine alte Apothekenausstattung und vieles mehr.

Herzlich Willkommen!

Wir freuen uns auf Ihren Besuch und wünschen viel Spaß beim Entdecken der Vor- und Frühgeschichte im Altkreis Melsungen.
Wenn es wieder möglich ist, zeigen wir Ihnen gern weitere Schätze aus unserer regionalen Vergangenheit vor Ort.
Über uns: [https://museum-gensungen.de/arbeitsgemeinschaft/](https://museum-gensungen.de/arbeitsgemeinschaft/)

Steinzeit

Obwohl wir die älteste und zugleich längste Epoche der Menschheitsgeschichte Steinzeit nennen, verwendeten die damals lebenden Menschen nicht nur Steinwerkzeuge. Holz, Bast, Knochen, Geweihe und Leder spielten ebenfalls eine wichtige Rolle - zur Herstellung von Kleidung z.B. waren sie unerlässlich, sind aber im Laufe der Jahrtausende verrottet. So kommt es, dass uns heute nur ein Bruchteil der menschlichen Hinterlassenschaften als archäologische Funde überliefert ist.
 

Sesshaftigkeit

Die Bandkeramiker erbauten große Langhäuser von bis zu 8 m Breite und 40 m Länge aus Holzstämmen und lehmbeworfenen Flechtwerkwänden.
Man geht davon aus, dass die Häuser von 7–10 Personen einer Sippe bewohnt wurden. Ställe gab es in den Langhäusern nicht, das Vieh blieb im Freien. Ein Zwischenboden diente als Speicher. Die Gehöfte standen entweder einzeln oder bildeten kleine Siedlungen. Mit einfachen „Wühlpflügen“ zogen die bandkeramischen Bauern Furchen in den Boden und säten Emmer, Einkorn, Gerste, Erbsen und vereinzelt Linsen aus.

Eindeutiger Hinweis

Nicht immer lassen sich Funde zweifelsfrei bestimmen - oft weil epochenspezifische Merkmale fehlen. Die sogenannte Knickwandkeramik ist typisch für das 5. bis 7. Jh. nach Chr. Durch den typischen Bauchknick in der Wandung, tiefe Drehriefen am Bodenansatz und besonders die markanten Verzierungsmuster durch metallene Rollrädchen lässt sich die Warenart gut abgrenzen.

3-Burgen-Stadt im Edertal

Während des Hochmittelalters fand ein regelrechter Burgenboom statt - so entstanden auf dem Gemeindegebiet der Stadt Felsberg Altenburg, Burg Heiligenberg und Felsburg während des 11. und 12. Jahrhunderts. Wir stellen Ihnen hier die drei Burgen sowie das Kloster Kartause zu Eppenberg in vier kurzen Filmen vor.

Neuzeit

Um das Jahr 1500 endet das Spätmittelalter und wird von der frühen Neuzeit abgelöst. Verschiedene Ereignisse - die uns nun historisch überliefert sind, wie die Entdeckung Amerikas, Reformation und die Erfindung des Buchdrucks führen zum technischen, religiösen und politischen Wandel.
Typisch für die Keramik am Ende des Mittelalters sind grüne oder braune Glasuren, wie dieser Grapentopf vom Gelände des ehemaligen Klosters Kartause nördlich von Gensungen. Durch die Glasur im Inneren waren Töpfe nun völlig wasserdicht.